Walter Melcher | STALLWERCK [DE-AT]
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Stallwerck™
Ein Dossier von
Walter Melcher

"Was ist schon von Dauer? Jede Geschichte hat Anfang und Ende. Der einzelne Mensch, viele Kulturen und Staaten. Das alte Europa ist die Welt von gestern." (Michael Wolffsohn)

"Paradise Lost" (Paraphrase auf Tizianos 'Nymphe und Schäfer'), 190 x 150 cm,
Eitempera und Harzölfarben auf Leinen, 2016

 


E lucevan le stelle... e olezzava la terra... stridea l'uscio dell'orto e un passo sfiorava la rena... entrava ella, fragante, mi cadea fra le braccia... Oh, dolci baci, o languide carezze, mentr'io fremente le belle forme disciogliea dai veli! Svanì per sempre il sogno mio d'amore... L'ora è fuggita e muoio disperato, e muoio disperato! E non ho amato mai tanto la vita... Tanto la vita!

Es leuchteten die Sterne... Ein guter Geruch stieg von der Erde auf... Das Gartentor knarrte, Schritte im Sand... Wie eine Blume duftend, trat sie ein, Und schon lag sie in meinen Armen... O süße Küsse, zärtliche Umarmungen, Unter denen ich zitternd Ihre Schönheit entschleierte! Dieser Liebestraum ist für immer vergangen... Vorbei sind jene Stunden, und ich sterbe in Verzweiflung! Ich sterbe in Verzweiflung! Und doch hab' ich nie das Leben so geliebt Das Leben so geliebt!



audio source: Collection of Norman Bruderhofer / www.cylinder.de








... alles fließt
       Foto: Ilse Neugebauer / 2017

" Πάντα χωρεῖ καὶ οὐδὲν μένει"
"Alles bewegt sich fort und nichts bleibt."
(Platon)

"Wer in denselben Fluss steigt, dem fließt anderes und wieder anderes Wasser zu."
"Wir steigen in denselben Fluss und doch nicht in denselben, wir sind es und wir sind es nicht."
"Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen."

(Heraklit/Fragmente)

"Es war in einem Sommer meiner Kindheit. Es war heiß und ich stand am Ufer eines Flusses. Ich stieg in den Fluss und der Feuersalamander meiner Gedanken nahen Regungen rief mir hinter her: "Lerne zu Schwimmen! Das Wasser ist tief und der Strom wird dich fort reißen". Ich entfernte mich nicht weit vom Ufer. Ich blieb am Rand des Flusses. Nicht weil ich die Gefahr erkannte. Mir genügte fürs erste der Versuch, das glitzernde Licht auf der Wasseroberfläche mit meinen ungeübten Händen einzufangen.

Und das Licht tanzte und tanzte und der Fluss brachte mir Licht in endlosen Schleifen dar. Ich kehrte an die Ufer zurück und studierte die Theorie der Flüsse ohne jemals wieder mit dem Wasser des Flusses meiner Kindheit in Berührung gekommen zu sein. Die Gelehrten kennen die Sprache der Salamander nicht." (STALLWERCK im Dezember 2016)

WERKGRUPPE : Hirschmänner

Der Fisolensucher oder: Acteon und Diana
- ein tragischer Jagdunfall, oder nur dumm gelaufen?

'nunc tibi me posito visam velamine narres,
si poteris narrare, licet!' nec plura minata
dat sparso capiti vivacis cornua cervi,
dat spatium collo summasque cacuminat aures
cum pedibusque manus, cum longis bracchia mutat
cruribus et velat maculoso vellere corpus;
additus et pavor est: fugit Autonoeius heros
et se tam celerem cursu miratur in ipso.

'Jetzt kannst du ruhig erzählen, dass du mich nackt gesehen hast, falls du dazu noch jemals in der Lage sein solltest!' Mehr drohte sie ihm nicht, und sie verteilte auf seinem Haupt die Hörner des lebhaften Hirsches, verlängerte seinen Hals, spitzte oben seine Ohren zu, tauschte Hände mit Füßen, Arme mit langen Beinen und verhüllte seinen Körper mit einem fleckigen Fell; und sie lehrte ihm das Fürchten: Und so floh Autonoes' Held fort und wunderte sich selber über den so schnellen Lauf."

Ovid:"Metamorphosen"

 

Warum interessiert mich heute, nach über zwei tausend Jahren, diese merkwürdige Begebenheit in einem - glaubt man den alten Mythen - geheimnisvollen Wald, mitten im antiken Böotien?

dieser Spur folgen   (Beitrag ausständig)



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Werkgruppe: Grafikeditionen

Grafikedition 2018

"Ein Frosch und ein Huhn am Meer... und andere seltsame Betrachtungen"


"Ein Frosch und ein Huhn am Meer ... und andere seltsame Betrachtungen"
9 Radierungen in Lederkassette, gezeichnet und gedruckt von Walter Melcher
Überblick Grafik Edition 2018
Wollerau / Schweiz



EIN FROSCH UND EIN HUHN AM MEER

Eines Tages begegneten sich ein Frosch und ein Huhn am Meer. Der Frosch hielt sich für einen großen Künstler. Er war auch tatsächlich ein sehr nachdenkliches Tier, dessen Geist ununterbrochen über alles räsonierte, während sein breites Maul ständig quakte.
Man kann davon ausgehen, daß er nicht allzu erfolgreich dabei war, seine Ideen in die Praxis umzusetzen. Ärger noch als sein fehlendes Gespür, sich mit seinem Wissen zurück zu halten, war die Tatsache, dass er über keine "richtigen" Hände verfügte, die seine ungeordneten Gedanken erklärend zu Papier bringen konnten.
Deshalb begann er wichtigtuerisch und mächtig aufgeblasen am Sandstrand wie wild herumzuhüpfen.
Da wurde das Huhn neugierig. Richtige Hühner sind so geboren. Ihrer angeborenen Neugierde für hüpfende Frösche fügte die Natur noch jenen Streich hinzu, daß Hühner kaum eigenständigen Gedanken in halbwegs verständliche Sätze gießen können.
Trotzdem fühlte sich das Huhn wohl, gackerte vor sich hin und begann ebenfalls malerische Zeichen in den Sand zu scharren. Und so fuhren beide fort - der Frosch und das Huhn - hüpfend und scharrend Orakel dem Strand entlang in den Sand zu zeichnen.

Ja, beide, ihrem Talent und ihrem Impuls folgend, bis zu dem Tag, an dem aus dem undurchdringlichen und abgrundtiefen Meer ein gigantischer Pluto-Nautilus an den Strand gespült wurde.
Als er unsere beiden Helden sah, wie sie wichtig unverständliche Zeichen hüpfend und scharrend in den Sand setzten, begann er sogleich sehr gescheit daher zu reden.
Viel zu reden, möglichst unverständlich, das war seine Spezialität. Dies machte ihn unvorstellbar reich. Seine Erfindung der "Schrott-Reden" wurde bald allgemein als fundamentale Errungenschaft modernen Lebens anerkannt. Er wurde bei Manager-Workshops als Vortragender herumgereicht und erlangte als Berater hoffnungsvollen Politikernachwuchses mediale Berühmtheit.

" Ich kann euch auch reich machen", sagte der Pluto-Nautilus, während der Frosch und das Huhn andächtig seinen vollmundigen Ausführungen zur "Theorie der natürlichen Sehnsucht und gelebten Notwendigkeit, rätselhafte Zeichen in Sandstrände zu setzen und deren daraus folgende Bedeutung für potentielle Kunstliebhaber" lauschten.

Tags darauf kam ich per Zufall an den Ort und sah die rätselhaften Zeichen im Sand. Der Frosch, das Huhn und der Pluto-Nautilus waren schon weg. Ich begann die mysteriösen Zeichen aufzuzeichnen, muß aber zugeben, daß ich aus ihnen nicht so richtig schlau werde.

Vielleicht sollte ich für mein besseres Verstehen auch einen Pluto-Nautilus zu Rate ziehen, bevor die nächste Flut unwiederbringlich alle Beweisstücke dieser seltsamen Begegnung auslöschen wird?

STALLWERCK
im Dezember 2017




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    Acquaforte auf Fabriano Rosaspina
    10 x 17 cm
    2018

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    Acquaforte auf Fabriano Rosaspina
    10 x 17 cm
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    Acquaforte auf Fabriano Rosaspina
    10 x 17 cm
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    Acquaforte auf Fabriano Rosaspina
    10 x 17 cm
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    Acquaforte auf Fabriano Rosaspina
    10 x 17 cm
    2018

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    Acquaforte auf Fabriano Rosaspina
    10 x 17 cm
    2018

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    Acquaforte auf Fabriano Rosaspina
    10 x 17 cm
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    Acquaforte auf Fabriano Rosaspina
    10 x 17 cm
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    Acquaforte auf Fabriano Rosaspina
    10 x 17 cm
    2018

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Grafikedition 2017
"Frutti di Mare"


"Frutti di Mare"
Drei Radierungen im Großformat
gezeichnet und gedruckt von Walter Melcher
STALLWERCK™ Grafik Edition 2017
Wolfsberg / Austria

Gibt es überhaupt intelligentes Leben im Universum?
Ich habe mich zeichnerisch der Frage angenähert und bin zu diesen drei Radierungen vorgedrungen.
Tief in unseren Meeren gibt es Lebewesen, die so bizzar aussehen, dass man sie für außererirdisches Leben halten könnte. Studiert man ihr jahrmillionenaltes Verhalten, kommt man zum Schluß, daß diese Lebewesen durchaus intelligent sind.
Könnte es sein, dass die Suche nach intelligentem Leben im Universum lediglich aus einer Sehnsucht heraus passiert, selbst ein Teil dessen zu sein, wonach so intensiv gesucht werden soll?

Die Druckplatten haben ein Format von 90 x 70 cm und wurden auf Hahnenmühle  Kupferdruckbütten auf Ganzbogen  ( 108 x 78 cm ) in limitierter Auflage gedruckt.

STALLWERCK am 20. Mai 2017


Grafikedition 2016
"A Tribute to CERN"


A TRIBUTE TO CERN
9 Radierungen in Lederkassette
gezeichnet und gedruckt von Walter Melcher
Überblick Grafik Edition 2016
Wollerau / Schweiz


Als wir Kinder waren, spuckten wir manchmal Kirschkerne im weiten Bogen durch die Gegend. Es war unterhaltsam und es machte Spaß, bei einem Wettbewerb den eigenen Kirschkern so weit zu spucken, dass die anderen Teilnehmer ihr Nachsehen damit hatten. Heute arbeitet der eine oder andere der ehemaligen Wettkämpfer am CERN-Institut in Genf wo er weitaus kleinere Kerne in unterirdischen Röhren bis nahe an die Lichtgeschwindigkeit beschleunigt. Die heutigen Wissenschaftler am CERN haben mit ihren Vorgängern aus der Renaissance kaum mehr etwas gemeinsam. (Abgesehen davon, dass sie noch immer verständnislose Blicke ernten, sobald sie über ihre Arbeit zu sprechen beginnen.) Die Entwicklung, wonach sich jeder Forscher auf ganz spezielle Fachbereiche zu spezialisieren begann, hat diese zuletzt dazu gebracht, in weltweit vernetzten Forscherteams zusammen zu arbeiten. Keiner kann sich heute noch ineffiziente Forschung in einer stillen, mit Kerzen beleuchteten Dachkammer leisten. Wissenschaftler arbeiten heute in internationalen Forschungs- und Informationsnetzen zusammen. In Ihrer akribischen Suche nach den kleinsten Details kosmischer Elemente müssen sie glücklicherweise nicht mehr gegen die Willkür der damaligen Fürsten und Herrscher ankämpfen. Heute kämpfen sie eher gegen die Auswüchse der Bürokratie an.
Forscher am CERN haben eine spezielle Aura. Sie erinnern in vielem an Doktor Fausts unbedingtes Bestreben, zu erkennen,

"was die Welt /
im Innersten zusammen hält, …
"
(Johann Wolfgang von Goethe: " Faust, Teil eins, Scene1:Nacht")

In gewisser Weise erinnern mich moderne Physiker an Hohepriester im alten Ägypten: Sie tragen geheimnisvolles Wissen über die Entstehung der Welt zusammen - sorgfältig in undurchdringliche mathematische Formeln verpackt - nur für einen exklusiven Kreis Eingeweihter zugänglich. Früher oder später werden sie ihren Blick auf die kosmischen Strukturen werfen und in der Lage sein, den göttlichen Plan am Anbeginn der Zeit zu verstehen und es sieht ganz danach aus, dass zumindest für sie der alte faustischen Traum Tag für Tag näher rückt.
Ich möchte diese Druckauflage allen Wissenschaftlern am CERN-Institut widmen und ihnen alles Gute für ihre weitere Forschung wünschen. Ungeachtet dessen, dass die Kunst und die Wissenschaft inzwischen verschiedene Wege gehen, inspirieren die Ergebnisse der CERN-Forschung weltweit Künstler in ihrer Arbeit. Hätte mich die Natur mit besseren mathematischen Talenten ausgestattet, wäre ich wahrscheinlich auch Forscher geworden. Wie dem auch sei, der unerschütterliche Glaube daran, die richtige Wahl getroffen zu haben, ließ mich eben Maler werden.

Walter Melcher - October 23, 2016




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Ein Bild und
seine Geschichte

Ein Bild und seine Geschichte:

" Emily schwebend"

"Emily schwebend"
230 x 200 cm
Eitempera und Öl auf Leinen
2013 - 2017




Dieses Gemälde entstand mit Unterbrechungen und Übermalungen über einen Zeitraum von vier Jahren. Es ist eine Hommage an den Maler Jan van Eyck ( ca. 1390 - 1441).


Hier einkurzes Video
über die sogenannte "Arnolfini-Hochzeit" des Jan van Eyck









Zunächst wollte ich nur eine Frau malen, die in einem Raum mit grünem Hintergrund wie in einem Traum über dem Boden schwebt. Das war im Jahr 2013. Bald aber schien mir das Bild in diesem Zustand noch nicht fertig gemalt. Es war mir in seiner Komposition noch zu leer und unausgewogen. Also malte ich als Gegengewicht zu Emily ein Stillleben mit Pfirsichen und Zitronen in einem silbernen Tablet dazu, das ich auf ein Podest stellte, und mit einem Kelim verhüllte.

Damit hatte ich zumindest ein kompositorisches Gegengewicht geschaffen.Das war ein Jahr später, im Jahr 2014.

Es verging ein weiteres Jahr, in dem ich immer wieder das Bild betrachtete und mir dachte, es ist noch immer nicht ganz fertig.Damals fiel mir zufällig das Buch "Die Ordnung der Dinge" in meiner Bibliothek auf, das ich vor Jahren schon einmal gelesen hatte. Als ich es wieder zu lesen begann, wurde mir klar, wonach ich noch suchte: Michel Foucault beschreibt in seiner Einführung zur Thematik das Gemälde " Las Meninas" aus dem Jahr 1656 des spanischen Malers Diego Velasquez. Foucault weist in seinen Untersuchungen auf die Rolle des Spiegels hin, der sich im Gemälde in einem Nebenraum befindet, und so die dargestellte Szene aus einer anderen Perspektive wiedergibt.
Erst durch die Existenz des Spiegels im Bild, erfährt der Betrachter einen vollständigeren Ausschnitt der ganzen Wirklichkeit, die sich dem Auge des Betrachters gewöhnlich entzieht. Der Maler weist dem Betrachter ja nur einen vorgegebenen Bildauschnitt des Geschehens zu und gewährt ihm dadurch logischerweise nur eine eingeschränkte Sicht auf die dargestellte Wirklichkeit. Mir fiel wieder der Konvexspiegel aus dem Gemälde van Eycks ein, und ich beschloß, einen solchen Spiegel auch in mein Bild einzubauen und so meinem Gemälde eine weitere Ebene hinzuzufügen. Danach überlegte ich mir, in welchem erweiterten Kontext ich denn Emily's Raum zeigen sollte. In welcher dargestellten Wirklichkeit sollte ich denn Emily schweben lassen, unbekleidet, den Betrachter in die Augen blickend? Ich wählte eine Szene aus dem Alltag einger Börsenhändler der sich im Bild wiederspiegelt. So fügte ich im Jahr 2015 der schwebenden Emily eine Meta-Ebene zur intimen Abgeschiedenheit des Raumes hinzu, in dem sie sich von diversen Gegenständen umringt alleine wähnt — in ihrer, von da an, nur mehr scheinbar privaten Welt.

Denn durch den erneuten Eingriff in die Bildkomposition hatte ich schließlich zwei Erzählebenen geschaffen, die ich miteinander verknüpfte. Eine Erzählebene, die den größten Teil des Bildes einnimmt, nämlich Emilys Welt, wie sie der Bildbetrachter sieht, und eine andere Wirklichkeit, die sich dem Bildbetrachter erst durch den Konvexspiegel offenbart. Von nun an wird es offensichtlich, dass Emilys Welt direkt an der Börse gehandelt und ihre Naktheit schonungslos den prüfenden Blicken der zockenden Trader ausgesetzt ist.
Das Bild im konvexen Zerrspiegel erscheint wie eine bunte Seifenblase, deren äußere Grenze von der bitteren Erzählung eines Leidensweges von immer weiter eskalierenden Stationen eingerahmt wird.In surrealem Kontrast stellt sich die laute Welt der Gewinnmaximierung zur zweiten Erzählebene gegenüber: Der stillen Welt musischer In-sich -Gekehrtheit.Zwei gegensätzliche Welten die sich dennoch in seltsamer Weise verschränken.

Orangen und Pfirsiche galten zur Zeit van Eycks als Luxusgüter einer priviligierten Minderheit. Auf dem Arnolfini -Bild stehen sie als Symbol für den Reichtum der angesehenen italienischen Händlerfamilie mit Außenhandelstellen bis ins weit entfernte Flandern.Ganze Malergenerationen bemühten sich, Südfrüchte so naturgetreu wie möglich zu malen, und sie als Sinnbild für die Vergänglichkeit alles Irdischen in Erinnerung zu rufen. "Memento mori" - Bedenke , dass letztendlich auch Du nur ein Vergänglicher bist! Im Augenblick der prachtvoll dargebotenen Früchte liegt auch schon der Beginn ihres Zerfalls.
Ich wollte das drastische Bild vom imanenten Zerfall alles Schönen etwas abschwächen, indem ich den Südfrüchten in Emilys Welt Schmetterlinge hinzufügte. Erinnern ihre Metamorphosen nicht daran, dass in jedem Ende einer Entwicklung der Beginn eines neuen Seins angelegt ist? Ein kleiner Trost in einer Welt, in der sogar Atome - die als "unteilbar" geltenen Kerne aller Materie, trotzdem zerfallen.

Inzwischen begann das vierte Jahr seit dem Beginn der ersten Arbeiten am Gemälde "Emily schwebend". Noch einmal studierte ich die "Arnolfini Hochzeit", und entdeckte wieder ein neues Detail im Bild : Diesmal war es der Kronleuchter im Raum, auf dem nur eine Kerze brennt. Laut kunstgeschichtlicher Deutung soll die brennende Kerze die Anwesenheit Gottes im Raum symbolisieren.(Auf diese Auslegung muß man einmal kommen!) Mich interessiert hingegen ein anderes Detail im Bild viel mehr: Wenn man den Kronleuchter mit zusammengekniffenen Augen ansieht, erkennt man anstelle der Kerzenhalter deutlich kleine Hirnschädel.
Aufgrund dieser Beobachtung malte ich als Referenz ein Cranium verkehrt in die rechte untere Ecke auf den Fußboden in Emilys Welt und stellte ihm eine brennende Kerze zur Seite. Danach änderte ich die Wandfarbe in Emilys Zimmer in ein Azurit- Blau um. Zum Schluß  setzte ich mein Cello als kompositorisches Element in das Bild und fügte noch die Attribute der Malerei hinzu : Den Malstock und einige Tuben Farbe, am Boden liegend. Der Feuersalamander  taucht auch in diesem Bild auf. Er ist das Symbol meiner Leidenschaft für die Malerei.

Van Eyck  wählte für seine Signatur eine bemerkenswerte Variante: Er malte in sein Werk mit geschwungenden Lettern :
" Ioannis van Eyck fuit hic ": Jan van Eyck war hier:
Ich wollte mir den Spass nicht entgehen lassen und signierte mein Bild mit:
"Etiam ego fui hic" : Auch ich war hier.

STALLWERCK am 28.März 2018

 

 

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